Leben auf Gasplaneten
Voraussetzungen für biologische Aktivität?
Auf der Suche nach potenziellen Lebensräumen im Weltall
stößt man zwangsläufig auf die Frage, ob nicht auch auf
den riesigen Gasplaneten des Sonnensystems, Jupiter,
Saturn, Uranus und Neptun Leben denkbar wäre.
Diese Planeten haben, soweit wir wissen, keine feste
Oberfläche in dem Sinne wie sie die kleineren Planeten
und Monde besitzen. Unter einer tausende oder sogar
zehntausende von Kilometern mächtigen Atmosphäre könnten
vielleicht Ozeane aus flüssigem Wasserstoff oder Helium
existieren, darunter höchstens noch der exotische
Zustand metallischen Wasserstoffs. Die dort zu
erwartenden extremen Temperaturen und Drücke schliessen
die inneren Bereiche dieser Planeten von jeder
astrobiologischen Überlegung aus.
Es verbleibt als einziger denkbarer Lebensraum die
Atmosphäre der Planeten mit ihren überschallschnellen
globalen Stürmen und extremen physikalischen Bedingungen.
Abb.: Höhergelegene Zonen der Atmosphäre des Jupiter wären als Lebensraum immerhin denkbar. (Quelle NASA/JPL)
Einer der Begründer der modernen Exobiologie, Carl Sagan,
hat darauf hingewiesen, dass auch in diesen Atmosphären
Zonen mit lebensfreundlichen Zuständen existieren müssen,
Zonen in denen mäßige Drücke und Temperaturen Wasser in
Form von Dampf oder Tropfen zulassen. In solchen Zonen
könnten sich Lebensformen aufhalten, die eine schwebende
Existenz führen, entweder weil sie sehr klein sind oder
indem sie Organe gebildet hätten, die mit leichteren
Gasen gefüllt sind und es ihnen erlaubten, wie eine Art
atmosphärischer Quallen in der Umgebung zu treiben.
Abb.: Carl Sagan (1934-1996) ist einer der Begründer der modernen Astrobiologie. (Quelle NASA/JPL)
Insgesamt wissen wir jedoch von Aufbau und Chemie der
Atmosphären der Gasplaneten noch viel zu wenig, um in
absehbarer Zeit näher auf solch hochspekulativen, wenn
auch sehr interessanten Vorstellungen eingehen zu können.
Abb.: Die Atmosphäre des Jupiter aus der Nähe. Diese Aufnahme entstand während des Flybys der Pluto-Sonde New Horizons
im Februar 2007 aus einem Abstand von etwa einer Million Kilometern. Der Umfang der Erde ist zum Grössenvergleich als Kreis eingezeichnet.
(Quelle NASA/JPL)
Abb.: Kontrastverstärktes, farbverschobenes Bild zur Verdeutlichung der Komplexität des Aufbaus der Jupiteratmosphäre.
Dieser Ausschnitt ist etwa 10.000 Kilometer breit. Dunkleres Material stammt vermutlich aus grösserer Tiefe und dürfte auch
Kohlenwasserstoffe und vielleicht sogar höhere Organika enthalten. (Quelle NASA/JPL)