Leben auf Europa


Voraussetzungen auf Europa

Europa ist einer der vier großen Galileischen Monde des Jupiter und etwa so gross wie unser Mond. Er besteht fast ganz aus Eis und besitzt eine der geologisch aktivsten Oberflächen des Sonnensystems. Eine Unzahl von Spalten, Verwerfungen und Zonen junger Krustenbildung ohne Verkraterung beweist, dass in der Tiefe des Mondes Bewegungen stattfinden, die sich an der Oberfläche durch die genannten Strukturen abbilden. Diese Bewegungen sind eindeutig darauf zurückzuführen, dass unter der Oberfläche Europas ein globaler Ozean flüssigen Wassers existiert. Ein schwaches Magnetfeld zeigt, dass dieser Ozean mit Salzen angereichert ist. Eine extrem dünne Sauerstoffatmosphäre ist auf die Interaktion der Weltraumstrahlung mit dem Wassereis der Oberfläche zurückzuführen.

Eis und Wasser auf Europa

Abb.: Ein globaler Ozean unter dem Eis der Europa könnte Leben beherbergen.

Eisschollen und Eistektonik auf Europa. Die kleinsten erkennbaren Lineamente durchmessen etwa 30 m. Zu sehen sind hier grosse Schollen in der Art tafelförmiger Eisberge, die in einem riesigen Eisfluss rotiert und transportiert wurden. Solche Bewegungen beweisen, dass unter der Oberfläche ein flüssiges Medium, Wasser, existiert. Die gezeigte Oberfläche muss relativ jung sein, denn die Verkraterung ist gering. (Quelle: NASA/JPL)


Weil flüssiges Wasser als wichtigste Voraussetzung für Leben angesehen wird, im Sonnensystem aber eher eine Ausnahme darstellt, glaubt man, dass Europa neben der Erde vielleicht die besten Chancen für ausserirdisches Leben bieten könnte.

Da die feste Eiskruste Europas mindestens mehrere, vielleicht aber auch bis zu hundert Kilometer dick ist, wären eventuelle Lebensformen auf diesem Mond zur Aufrechterhaltung ihrer Funktionen auf andere Energiequellen angewiesen, als das Sonnenlicht. Man denkt hierbei an einfache Lebewesen, die ihren Energiebedarf ähnlich wie die irdischen Schwefelbakterien an heissen Quellen auf dem Grund des mondweiten unterirdischen Ozeans decken.

Die Aufheizung Europas dürfte weniger auf interne radioaktive Wärmequellen als vielmehr auf die Gezeitenkräfte des Jupiter und der anderen grossen Monde zurückzuführen sein.

Andere Eismonde im äußeren Sonnensystem

Neben Europa scheinen auch die Jupitermonde Ganymed und Kallisto im Inneren flüssiges Wasser aufzuweisen, so dass auch dort ähnliche Voraussetzungen für Leben gegeben sein könnten. Ein weiterer Eismond mit vergleichsweise intensiver geologischer und kryovulkanischer Aktivität ist der Saturnmond Enceladus, der insofern einen Sonderfall darstellt, als er mit nur etwa 400 km Durchmesser sehr viel kleiner ist als die anderen genannten Himmelskörper. Auch Enceladus hat man als Kandidaten für eventuelle exobiologische Vorgänge ins Auge gefasst.

Aktive Spalten auf Enceladus

Abb.: Aktive wasserspeiende Spaltensysteme auf Enceladus sind potenzielle Lebensräume (Quelle: NASA/JPL)

Ausblick

Obwohl Europa als aussichtsreichste Welt für ausserirdisches Leben erkannt worden ist, ist eine nähere Erkundung ziemlich schwierig. Wenn es dort Leben gibt, ist es unter einem mächtigen Eispanzer verborgen und es ist fraglich, ob auf der Oberfläche genügend Hinweise darauf zu finden sein werden. Seit einigen Jahren wird daher an Sonden, so genannten "Kryobots" (Eis-Roboter, Kälte-Roboter), geforscht, die sich durch das Eis hindurchschmelzen könnten, um dann weitere kleine Roboter, so genannte "Hydrobots" (Wasser-Roboter) zu entlassen, die als eine Art kleines U-Boot die Tiefenozeane der Eismonde erforschen sollen. Bis solche Kryobots tatsächlich in der Antarktis oder gar im Weltraum einsatzfähig sind und nicht nur, wie in irdischen Experimenten bereits gezeigt, einige Dutzend Meter, sondern mehrere oder sogar viele Kilometer ins Eis vordringen und aus solchen Tiefen auch noch Daten liefern können, werden wohl noch einige Jahrzehnte vergehen.


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